11. Nov 2017

Von der Kraft der Worte

Ein Abend mit Ayeda Alavie (Iran) und Fouad Yazji (Syrien)

Donnerstag, 30.11.17, 19.00 Uhr
Monacensia im Hildebrandhaus, Maria-Theresia-Str. 23, 81675 München
Eintritt frei

Was bedeutet es, an einem neuen Ort, in einer neuen Sprache, die eigene literarische Stimme zu wahren oder neu zu finden? Silke Kleemann und Martin Lickleder stellen Ayeda Alavie (Iran) und Foaud Yazji (Syrien) vor und sprechen mit ihnen über ihre Erfahrung des Ankommens in Deutschland und das fortwährende Abenteuer des Lebens und Schreibens zwischen den Sprachen und Kulturen.

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19. May 2017

Die zweite Haut

Gedanken zur Freiheit

Anlässlich der Anthologie "Bilder der Freiheit: Texte zum internationalen Antho?-Logisch! Literaturpreis 2016" ( Hrsg. Marco Frohberger)

 

Die Anthologie „Die Bilder der Freiheit“ erzählt von Freiheitsbildern. Freiheitsbilder, die mich überraschen und mir zeigen, dass Freiheit viele Stufen hat.

Wenn ich an Freiheit denke, dann sind die ersten Bilder, die mir in den Sinn kommen, Bilder der Gefangenschaft. Vielleicht, weil ich in einem anderen Teil der Welt und in einer anderen Zeit geboren und aufgewachsen bin. In einer Zeit, in der es mit Gefängnis bestraft wurde, wenn man während der Fastenzeit auf offener Straße etwas gegessen oder getrunken hat. In einem Land, in dem es Hausarreste gibt.

Solange existenzielle Freiheitsberaubungen existieren, kann der Mensch nicht an höhere Stufen der Freiheit denken. Die Gefängnis- und Gefangenschafts-Bilder sind dann so schwarz und schwer, dass sie kaum noch Raum für Licht und Leichtes übrig lassen. Die Bilder der Freiheit bleiben außerhalb der Mauer. Unerreichbar. Sodass man denkt: Freiheit ist woanders.

Die Verbote und die Zensur werden mit der Zeit verinnerlicht. Sie werden zu einer eng anliegenden Kleidung. Zu einer Einzelzelle für Körper und Geist. Sie werden zu einer zweiten Haut, die man überall mit sich trägt. In der man wächst. Die man nie verlässt. Und mit der Zeit klebt diese zweite Haut so an einem, dass man sie nicht mehr ablegen kann, ohne die eigene natürliche Haut zu zerreißen.

Deshalb akzeptiert man freiwillig mit der Zeit diese zweite Haut. Man bewegt sich möglichst vorsichtig und begrenzt, damit man seine eigene, natürliche Haut durch freie Bewegungen nicht verletzt. Damit die zweite, enge Haut nicht platzt. Damit man möglichst lange in dieser Einzelzelle verborgen und versteckt bleibt. Und nicht auffällt und in einem größeren, tatsächlichen Gefängnis mit noch mehr Bewegungsverboten landet. Gefängnisse mit dicken Mauern, die mit der Zeit zu einer dritten Haut werden.

Wenn ich in meiner Muttersprache, Persisch, an Freiheit denke, dann denke ich oft an dieses Gedicht von Ahmad Schamlou:

 

احمد شاملو: از مرگ…

هرگز از مرگ نهراسيده ام…
اگرچه دستانش از ابتذال شكننده تر بود
هراس من -باري- همه از مردن در سرزميني ست…
كه مزد گوركن
از بهاي آزادي آدمي، افزون باشد…

 

Ahmad Schamlou
Vor dem Tod

Ich habe nie vor dem Tod Angst gehabt
obwohl mir seine Hände vernichtend erschienen
Ich habe nur Angst vor dem Tod in einem Land
in dem der Lohn eines Totengräbers
mehr Wert ist als die Freiheit eines Menschen

18. Dec 2016

Bis zur Hausnummer 12...

Über die Lesung am 17.11.2016 im Buch in der Au
von Roja Maktabifard

Bis zur Hausnummer 12 zählte ich alle Nummern eine nach der anderen. Bis zur Hausnummer 12 war es noch ein Stück. Es war etwas zu spät. Ich ging schneller. Ich wollte sie noch vor der Lesung sehen. Die Person, die iranische Jugendliteratur so gut kannte und diese auf Deutsch veröffentlichen wollte. Bis zu dem Tag, als mein Mann mir das kleine Video über ihren Verlag geschickt hatte, kannte ich sie nicht persönlich und wollte jetzt nicht nur als eine einfache Zuschauerin und Zuhörerin dabei sein. Ich war mir sicher, dass ich diesem Menschen viel zu sagen habe. Letztendlich hatte sie dieselbe Idee, die ich seit Jahren hatte. Vielleicht könnten wir zusammen arbeiten.

Endlich war ich da. Ich erwartete nicht so viele Menschen. Beinahe alle Plätze waren besetzt. Aber die Lesung hatte noch nicht begonnen. Schnell warf ich einen Blick in die Menge und sah kein iranisches Gesicht, außer dem Gesicht einer Frau mit schwarzen Haaren, die vor dem Publikum saß und einen Text mit dem deutschsprachigen Mann neben ihr vorbereitete. Ich dachte bei mir, sie ist Ayeda Alavie. Ich wartete bis ihr Gespräch mit dem Mann beendet war. Für einen Moment fanden sich unsere Blicke. Ich nickte ihr zu und lächelte. Mein Lächeln war mehr als das Lächeln eines Gastes, ich spürte dies in ihrem Blick und wie sie mir ihrerseits zulächelte. Ich versuchte ihren Blick nicht zu verlieren. Sobald zwei neue Gäste in die Buchhandlung kamen, ging ich zu ihr und sagte: Salam. Auf Persisch sagte ich „Salam“. Für einen Moment, nur für einen Moment, überlegte sie, dann stand sie plötzlich auf und sagte: „Salam!“ Ich gab ihr die Hand und stellte mich vor und sagte, dass ich nach der Lesung mit ihr sprechen möchte. Für mehr Gespräch gab es keine Zeit.

Das Programm hatte mit der Vorstellung des Verlags begonnen. Als Ayeda selber daran war, stellte sie als erstes die Jugendzeitschrift „Sorush Nojavan“ vor. Mein Gott! Ich wurde plötzlich in das Jahr 88, 89 zurückgeworfen. In die Montagvormittage, als ich hunderte Male zum Zeitungskiosk von Herrn Ghasemi ging und er jedes Mal sagte: Sie ist noch nicht da!“ Was für eine Zeit habe ich mit dieser Zeitschrift verbracht. Sorush Nojavan war für mich wie die nahestehende Familie einer Jugendlichen aus der Provinz. Ein Verwandter, der gerade aus der Großstadt kommt und eine Menge neuer Ideen und Gedanken mit sich bringt. Ein Verwandter, der unter allen anderen Familienmitgliedern der einzige ist, der dich versteht und dir zuhört.

Ich kam wieder zurück in die Gegenwart und sah, dass Ayeda Alavie dem Publikum einige alte Ausgaben von Sorush Nojavan zeigte und die Gäste die Zeitschriften in der Hand hielten und anschauten. Dann sagte sie, dass sie ihre Lesung mit dem Gedicht ihres alten Dozenten beginnen möchte: Gheysar Aminpour. Als sie Gheysar Aminpours Bild dem Publikum zeigte, versuchte ich meine Trauer herunterzuschlucken. Gheysar... Lieber Gheysar… Ich atmete tief ein und trank einen Schluck von meinem Wasserglas, damit meine Tränen nicht flossen. Für mich wird der Tod und Verlust mancher Menschen nie zur Gewohnheit. Gheysar Amipour gehört zu diesen Menschen. Ich vermisse ihn immer noch.

Oh mein Gott! Was für eine seltsame Welt. Ich habe nie gedacht, dass mich eine einfache Vorstellung eines neugegründeten Verlags, und zwar hier in München, in die Jugendjahren und Erinnerungen meines 14ten und 15ten Lebensjahrs in Shiraz zurückversetzten würde.

Ayeda sprach von Biok Maleki, Atoosa Salehi, Azra Jozdani. Alles Menschen, die ich als Jugendliche kannte. Oh... ich hatte viel mit Ayeda zu besprechen.

Und sie las und las und erzählte und erzählte. Von all diesen Jahren außerhalb des Irans. Die Zeit, in der sie es auch nicht leicht gehabt hatte. Von einer 18jährigen Distanz. Und dem Versuch diese Distanz durch ihren Hagebutte Verlag mit einer neuen Perspektive zu überbrücken. Ich glaube, sie ist selbst die Rose. Eine Rose, die einmal im Iran aufblühte und - obwohl der Herbstwind all ihre Blätter mit sich riss - ihren festen Kern behalten hat. In einem Land, dessen Menschen einmal alles von Null an begonnen haben und ihr Leben von Neuem auf den Ruinen wiederaufbauten. In einem Land, in dem das Obst der Rose nicht wegegworfen wird. Für uns Iraner ist die Rose mit dem verblühen am Ende ihres Lebens. Aber für die deutschen ist dies nicht das Ende der Rose. Wenn die Blätter vergangen sind, bleibt die Hagebutte übrig, mit der sie duftenden Tee oder Marmelade kochen. Und jetzt, da dieser neugegründete Verlag zwischen den beiden Ländern einen kulturellen und literarischen Austausch ermöglichen möchte, passt dieser Name sehr gut.

Als ich nach Hause kam, fragte mich mein Mann: „Wie war es?“ Ich sagte: „Es gab keine Gelegenheit über die Arbeit miteinander zu sprechen, aber ich bin mir sicher, dass ich eine sehr gute Freundin gefunden habe. Ich betonte „sehr gut“. Wenn ich jetzt daran denke, merke ich, dass ich Ayeda Alavie in Wahrheit nicht gefunden, sondern wiedergefunden habe, als ob ich selber nicht ahnte, dass ich sie verloren hatte.

 

02. Dec 2016

Dankeschön

Unsere erste Lesung hat am Donnerstag (17.11.2016) in einem sehr familiären, liebevollen Rahmen im Buch in der Au stattgefunden.

Wir möchten uns ganz herzlich bei allen bedanken, die diese Lesung ermöglicht und ihr einen Raum gegeben haben: Katja Huber, Fridolin Schley, Martin Lickleder und allen Mitarbeiter der Initiative „Wir machen das“, sowie Elisabeth Reisbeck, Sabine Abel und Eva Wust von „Buch in der Au“.
Unser ganz lieber Dank gebührt auch allen Freunden des Hagebutte Verlags, die an diesem Abend da waren und uns mit ihrer Aufmerksamkeit und den bereichernden Gesprächen bei dieser ersten Lesung begleitet haben.

Ganz herzlich möchten wir uns auch bei den Zonta-Frauen bedanken: Frau Ragna Zeit-Wolfrum und Frau Ingrid Wagner, die uns von Beginn an immer mit Wort und Tat unterstützt haben.
 

Ein herzlicher Bericht über die Lesung am 17.11.2016 von Katja Huber:

http://wirmachendas.jetzt/9450-2/

01. Nov 2016

Meet your neighbours

Wir freuen uns sehr unsere erste Lesung und Vorstellung des Verlags ankündigen zu dürfen:
 

Der Münchner Musiker und Autor Martin Lickleder stellt die iranische Autorin und Übersetzerin Ayeda Alavie und ihren neugegründeten Verlag vor. Sie liest aus ihrem Roman „Sand und Zucker“ und Gedichte.

https://www.facebook.com/events/1284338238282996/

Donnerstag, 17.11.2016, 19:30 Uhr

Buch in der Au
Humboldtstraße 12, 81543 München

 
Herzlichen Dank an das Aktionsbündnis Wir machen das und die Buchhandlung Buch in der Au.

http://wirmachendas.jetzt/event/gespraech-ueber-die-literaturszene-im-iran-afghanistan-und-tadschikistan/

12. Sep 2016

Wir sind bei Startnext

Ab heute bis zum 11ten Dezember läuft die Finanzierungsphase bei Startnext. Dadurch hoffen wir die ersten Bücher veröffentlichen zu können. Auf unserer Startnext-Seite kann jeder Unterstützer werden & literarische Geschenke bekommen.

 

startnext.com/hagebutte-verlag